Stand: August 2026

Fused Deposition Modeling, SLA und SLS: die 3D-Druck-Verfahren erklärt

Kurz gesagt: Fused Deposition Modeling (FDM) schmilzt Kunststoff-Filament und baut Bauteile Schicht für Schicht auf – wirtschaftlich, robust und großformatig. Stereolithografie (SLA) härtet flüssiges Harz mit Licht aus und liefert die feinsten Details. Selektives Lasersintern (SLS) verschmilzt Kunststoffpulver mit einem Laser und erzeugt belastbare Serienteile ganz ohne Stützstrukturen. Welches der drei 3D-Druck-Verfahren passt, entscheiden Bauteilgröße, Oberfläche, Belastung und Stückzahl.

Was ist Fused Deposition Modeling (FDM)?

Fused Deposition Modeling ist das weltweit meistgenutzte 3D-Druck-Verfahren. Ein thermoplastischer Kunststoffdraht – das Filament – wird in einer beheizten Düse aufgeschmolzen und Bahn für Bahn auf einer Bauplattform abgelegt. Jede Schicht verschweißt mit der darunterliegenden, bis das Bauteil vollständig aufgebaut ist. Synonym wird das Verfahren auch Fused Filament Fabrication (FFF) oder Schmelzschichtung genannt.

Der Begriff Fused Deposition Modeling stammt aus den 1980er-Jahren und war lange markenrechtlich geschützt. Heute steht FDM als Oberbegriff für alle Extrusionsverfahren, die geschmolzenen Kunststoff schichtweise auftragen.

Fused Deposition Modeling: Druckkopf legt geschmolzenes Filament schichtweise ab

Wie funktioniert FDM 3D-Druck?

Der FDM-Prozess läuft in fünf Schritten ab:

  1. CAD-Datei vorbereiten: Das 3D-Modell wird als STEP, 3MF oder STL exportiert.
  2. Slicing: Eine Software zerlegt das Modell in horizontale Schichten und berechnet die Druckbahnen sowie nötige Stützstrukturen.
  3. Aufschmelzen: Das Filament wird in der Düse auf 200 bis 500 °C erhitzt – je nach Material.
  4. Schichtaufbau: Der Druckkopf legt Bahn für Bahn ab, die Schichthöhe liegt typisch zwischen 0,1 und 0,4 mm.
  5. Nachbearbeitung: Stützstrukturen werden entfernt, Oberflächen bei Bedarf geschliffen, geglättet oder lackiert.

Entscheidend für die Qualität sind Düsentemperatur, Bauraumtemperatur und Druckgeschwindigkeit. Industrielle Anlagen wie der Großraum-3D-Drucker SAM von Mach-3D arbeiten mit geschlossenem, beheiztem Bauraum – das verhindert Verzug bei technischen Kunststoffen und macht faserverstärkte Materialien überhaupt erst verarbeitbar.

Welche Materialien eignen sich für FDM?

Die Materialauswahl ist beim Fused Deposition Modeling größer als bei jedem anderen 3D-Druck-Verfahren: PLA und PETG für Prototypen und Anschauungsmodelle, ABS und ASA für witterungs- und temperaturbeständige Teile, TPU für flexible Bauteile, PA (Nylon) für verschleißfeste Funktionsteile sowie faserverstärkte Werkstoffe wie PA-CF, PA-GF, PP-GF und Hochleistungskunststoffe wie PPS-CF.

Vorteile und Grenzen von FDM

Stärken: geringste Kosten pro Bauteil, größte Materialauswahl, größte verfügbare Bauräume, robuste Funktionsteile, keine Nachhärtung nötig.

Grenzen: sichtbare Schichtlinien, Details unter etwa 0,3 mm schwierig, anisotrope Festigkeit (in Z-Richtung geringer), Stützstrukturen bei Überhängen erforderlich.

Was ist Stereolithografie (SLA)?

Stereolithografie ist das älteste 3D-Druck-Verfahren überhaupt und arbeitet mit flüssigem Photopolymer-Harz. Ein Laser oder ein UV-Projektor härtet das Harz punkt- beziehungsweise schichtweise aus. Das Bauteil wächst dabei aus einem Harzbecken heraus.

Wie funktioniert SLA 3D-Druck?

Die Bauplattform taucht in das Harzbecken ein und lässt nur eine hauchdünne Schicht Harz frei. Eine UV-Lichtquelle belichtet exakt die Kontur der aktuellen Schicht, das Harz polymerisiert und wird fest. Anschließend hebt sich die Plattform um eine Schichthöhe – typisch 0,025 bis 0,1 mm – und der Vorgang wiederholt sich. Nach dem Druck folgen zwingend Reinigung in Isopropanol und Nachhärtung unter UV-Licht.

Weil die Schichten so dünn sind und der Laser sehr fein fokussiert, erreicht SLA Genauigkeiten bis ±0,05 mm bei Wandstärken ab 0,4 mm – kein anderes Kunststoffverfahren liefert glattere Oberflächen direkt aus der Maschine.

Vorteile und Grenzen von SLA

Stärken: höchster Detailgrad, glatte Oberflächen ohne Nacharbeit, hohe Maßhaltigkeit, ideal für Sichtteile, Feinmechanik, Dentaltechnik und Urmodelle für den Formenbau.

Grenzen: kleinere Bauräume, Harze sind weniger schlagzäh als technische Thermoplaste, UV-Empfindlichkeit über die Zeit, aufwendige Nachbearbeitung.

Was ist selektives Lasersintern (SLS)?

Beim selektiven Lasersintern wird feines Kunststoffpulver – meist PA12 – schichtweise aufgetragen und von einem Laser genau dort verschmolzen, wo Material entstehen soll. Das nicht verschmolzene Pulver bleibt im Bauraum liegen und stützt das Bauteil während des gesamten Drucks.

Wie funktioniert SLS 3D-Druck?

Ein Rakel zieht eine dünne Pulverschicht über die Bauplattform. Der Bauraum wird knapp unterhalb des Schmelzpunkts vorgeheizt, damit der Laser nur wenig Energie einbringen muss. Der Laser fährt die Querschnittskontur ab und sintert die Pulverpartikel zusammen. Danach senkt sich die Plattform um eine Schichthöhe, neues Pulver wird aufgetragen, der Vorgang wiederholt sich. Nach dem Druck kühlt der gesamte Pulverkuchen langsam ab – erst dann werden die Bauteile entpackt und das überschüssige Pulver abgestrahlt.

Der entscheidende Vorteil: Weil das Pulverbett trägt, sind keine Stützstrukturen nötig. Das erlaubt Hinterschneidungen, ineinander verschachtelte Baugruppen und sogar bewegliche Mechanismen, die direkt montiert aus der Maschine kommen.

Vorteile und Grenzen von SLS

Stärken: maximale Designfreiheit ohne Stützen, mechanisch belastbare und seriennahe Teile, gleichmäßige Festigkeit in alle Richtungen, gute Eignung für Kleinserien durch dichte Bauraumbelegung.

Grenzen: leicht raue, sandgestrahlte Oberfläche, schmalere Materialpalette als FDM, höhere Anlagen- und Materialkosten, längere Abkühlzeiten.

FDM, SLA und SLS im direkten Vergleich

3D-Druck-Verfahren im Vergleich: Bauteile aus Fused Deposition Modeling bei Mach-3D

Welches 3D-Druck-Verfahren für welchen Anwendungsfall?

Konzeptmodell zur Formprüfung: FDM – schnell und günstig, oft innerhalb von 24 Stunden verfügbar.

Sichtteil, Feinmechanik oder Dentalanwendung: SLA – wegen Oberfläche und Detailtreue.

Belastbares Funktionsteil oder Kleinserie mit komplexer Geometrie: SLS – oder technisches FDM mit faserverstärktem Material.

Großbauteil, Verkleidung, Gehäuse oder Vorrichtung: FDM im Großformat – hier ist kein anderes Kunststoffverfahren wirtschaftlich.

Ersatzteil ohne vorhandenes Werkzeug: FDM oder SLS, abhängig von Belastung und Stückzahl.

3D-Druck-Verfahren in der Praxis: so gehst du vor

In der Praxis entscheidet selten das Verfahren allein, sondern die Kombination aus Anforderung, Termin und Budget. Sinnvoll ist dieser Ablauf: Anforderungen definieren (Funktion, Temperatur, Belastung, Optik) – Material auswählen – Verfahren daraus ableiten – Konstruktion an das Verfahren anpassen (Design for Additive Manufacturing).

Mach-3D in Altenholz bei Kiel bietet alle drei Verfahren unter einem Dach und berät verfahrensoffen – vom Prototypenbau über die 3D-Druck Lohnfertigung bis zum Großraum-3D-Druck für XXL-Bauteile. Wer die Verfahren selbst beherrschen will, findet in der Mach-3D Akademie praxisnahe Weiterbildungen zu FDM, SLA und SLS an echten Maschinen.

Häufige Fragen zu 3D-Druck-Verfahren

Was bedeutet FDM?

FDM steht für Fused Deposition Modeling, auf Deutsch Schmelzschichtung. Ein Kunststofffilament wird aufgeschmolzen und schichtweise abgelegt. Gleichbedeutend wird auch die Bezeichnung FFF (Fused Filament Fabrication) verwendet.

Was ist der größte Unterschied zwischen FDM, SLA und SLS?

Das Ausgangsmaterial und wie es verfestigt wird: FDM schmilzt Filament, SLA härtet flüssiges Harz mit Licht aus, SLS sintert Pulver mit einem Laser. Daraus ergeben sich alle weiteren Unterschiede bei Oberfläche, Festigkeit, Geometriefreiheit und Kosten.

Welches 3D-Druck-Verfahren ist am günstigsten?

Für die meisten Bauteile ist FDM am günstigsten, weil Material- und Maschinenkosten am niedrigsten sind. Bei komplexen Geometrien in Stückzahlen kann SLS pro Teil günstiger ausfallen, da Stützstrukturen und deren Entfernung komplett entfallen.

Wie genau ist 3D-Druck?

SLA erreicht bis ±0,05 mm, SLS etwa ±0,1 mm, FDM je nach Anlage und Material ±0,1 bis ±0,2 mm. Die tatsächliche Genauigkeit hängt zusätzlich von Bauteilgröße, Geometrie und Materialschwindung ab.

Welches Verfahren eignet sich für große Bauteile?

FDM. Großraum-3D-Drucker wie der SAM von Mach-3D fertigen Bauteile bis 900 × 900 × 1000 mm in einem Stück, ohne dass Teile geklebt oder verschraubt werden müssen.

Kann ich Bauteile aus allen drei Verfahren bei Mach-3D fertigen lassen?

Ja. Mach-3D fertigt FDM, SLA und SLS in Kiel und berät vorab, welches Verfahren für dein Bauteil technisch und wirtschaftlich am besten passt.

Direkt aus Kiel & Altenholz

FDM, SLA oder SLS – lade deine Datei hoch und vergleiche den Preis für dein Bauteil direkt.

Bauteil kalkulieren Kontakt aufnehmen